Ernährung bei Multipler Sklerose

Viele Betroffene mit Multipler Sklerose (MS) wünschen sich, mit ihrer Ernährung zu mehr Wohlbefinden und einem besseren Krankheitsverlauf beizutragen. Darauf zielen spezielle MS-Diäten ab. Von diesen ist jedoch aufgrund einer meist eher einseitigen Ernährungsweise abzuraten. Mit einer ausgewogenen Ernährung und bevorzugt entzündungshemmenden Lebensmittel können Menschen mit Multipler Sklerose ihre Erkrankung jedoch positiv beeinflussen.

Gesunde Ernährung ist die Basis – auch bei MS

Eine gesunde Ernährung kann eine Multiple Sklerose positiv beeinflussen, vielleicht sogar der Entstehung von MS entgegenwirken. Darauf lassen zumindest Studienergebnisse schließen. Dabei geht es aber nicht um eine spezielle MS-Diät oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, sondern um eine vollwertige und ausgewogene Ernährung, wie sie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.

Zu einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährung gehören viel frisches Gemüse, Salat, Obst, Fisch und ungesättigte Fettsäuren, aber nur wenig Fleisch und Fett. Auch eine ausreichende Trinkmenge von mindestens zwei Litern Wasser oder ungesüßtem Tee gehört dazu. Genauer nachlesen kann man die Regeln für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung auch in den „10 Regeln“ der DGE.

Zu einseitige Ernährung kann zu Mangel an wertvollen Nährstoffen führen

Mangelernährung, Übergewicht oder unregelmäßiges Essen sind nicht förderlich für die Gesundheit und können bei Menschen mit MS den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen. Daher ist auch das völlige Weglassen bestimmter Lebensmittel, wie es manche MS-Diäten fordern, nicht sinnvoll. Bei einer durch Lebensmittelverbote eher einseitigen Ernährung können Mängel an Makro- und Mikronährstoffen auftreten.

Die richtigen Fette: entzündungshemmend statt entzündungsfördernd

Stattdessen kann eine ausgewogene Ernährung durch eine geringere Aufnahme entzündungsfördernder Fettsäuren noch besser an die Bedürfnisse von MS-Patienten angepasst werden. Auch wenn ungesättigte Fettsäuren allgemein als gesundheitsförderlich gelten, ist für eine entzündungshemmende Ernährung auch das Verhältnis der ungesättigten Fettsäuren zueinander wichtig. Arachidonsäure ist eine eher entzündungsfördernde ungesättigte Fettsäure, deren Aufnahme für eine entzündungshemmende Ernährung reduziert werden sollte. Da sie vor allem in tierischen Produkten steckt, wird für Menschen mit MS empfohlen nicht mehr als zwei Fleischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen und auf Wurstwaren zu verzichten. Weiter werden maximal zwei Eigelbe pro Woche und eher fettarme Milch, Milchprodukte und Käsesorten empfohlen.

Fetter Fisch kann Entzündungsvorgänge bremsen

Fisch hingegen sollte öfter auf dem Speiseplan stehen, besonders fettreiche Fischsorten. Zwar enthält auch Fisch Arachidonsäure, gleichzeitig ist aber viel entzündungshemmende Eicosapentaensäure enthalten. Daher wirkt sich Fisch eher entzündungshemmend aus und wird daher mindestens zweimal wöchentlich empfohlen. Eicosapentaensäure wirkt umso stärker entzündungshemmend, je weniger Arachidonsäure aufgenommen wird.

Auch beim Braten und am Salat: Die richtige Ölauswahl macht den Unterschied

Auch bei den Fetten und Ölen sollte verstärkt auf alpha-Linolensäure gesetzt werden, einer Vorstufe der Eicosapentaensäure. Verringert werden sollte die Aufnahme von Linolsäure, die wiederum eine Vorstufe der Arachidonsäure ist. Beide Fettsäuren sind wichtig für den Körper, daher sollte auf keine der beiden vollständig verzichtet werden. Lein-, Walnuss, Raps-, Weizenkeim- und Sojaöl sind gute Quellen für alpha-Linolensäure, auf Traubenkern-Öl, Distel-Öl und Sonnenblumenöl sollte hingegen verzichtet werden. Gleiches gilt für die meisten Margarinen. Hier sollten nicht mehr als 10 g pro Tag gegessen werden und die Produkte sollten möglichst auf Basis von Olivenöl hergestellt worden sein.

Auch in Gemüse steckt die entzündungshemmende Omega-3-Fettsäure

Weiter Lieferanten für alpha-Linolensäure sind Leinsamen, Walnüsse und Hülsenfrüchte. Auch in den meisten Gemüsesorten steckt die entzündungshemmende Fettsäure. Grünkohl, Rosenkohl, Spinat und Blumenkohl schneiden dabei besonders gut ab. Auch Kräuter und Wildgemüsepflanzen enthalten alpha-Linolensäure.

Meiden sollten Menschen mit MS hingegen andere Nüsse und Samen, Sojabohnen, Hafer sowie Haferflocken, Hirse und Mais. Sie enthalten zwar auch alpha-Linolensäure, jedoch auch viel Linolsäure. Der Spagat zwischen alpha-Linolensäure und Linolsäure ist nicht immer ganz einfach, da viele gute Quellen für alpha-Linolensäure auch oft viel Linolsäure enthalten.

Kleine Veränderungen können Ernährung entzündungshemmender machen

Höfler und Sprengart (2012) geben in ihrem Buch „Praktische Diätik“ Anregungen, wie sich alpha-Linolensäure in einen vollwertigen Speiseplan integrieren lässt: Ein Teelöffel Leinöl (5 g) in Magerquark gerührt ergibt einen alpha-linolensäure-haltigen Brotaufstrich oder Dip, der sich gut mit Gemüse und Kräutern ergänzen lässt, in denen ebenfalls alpha-Linolensäure steckt. Täglich können mit ein bis zwei Esslöffel Rapsöl Salate zubereitet werden oder diese zum Braten und dünsten verwendet werden. Auch ein Müsli mit Obst, fettarmen Joghurt und Weizen- oder Roggenflocken, statt linolsäure-haltigen Haferflocken, und geschroteten Leinsamen in sehr hoher Qualität (Belastungen mit Schadstoffen aus dem Anbau sind möglich) kann eine gute Quelle für alpha-Linolensäure sein. Bei der Wahl von Brot und Brötchen sollten Menschen mit MS auch hier auf Produkte aus Leinsamen setzen.

Auch bestimmte Vitamine und Antioxidantien könne bei MS sinnvoll sein

Um die Reserven des Körpers aufzufüllen, sollten MS-Patienten außerdem auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin C, Vitamin E und Selen achten. Diese Nährstoffe wirken antioxidativ und können daher Abfallprodukte, die durch die Entzündungsprozesse im Körper entstehen, unschädlich machen. Durch die chronischen Entzündungen im zentralen Nervensystem kann der Bedarf von MS-Patienten erhöht sein. Durch die Auswahl von Gemüse- und Obstsorten mit viel Vitamin C, E oder Selen können MS-Patienten dies unterstützen. Einfache Maßnahmen wie Zitronensaft im Salatdressing und der regelmäßige Einsatz von Sanddornsaft in Nachspeisen oder Müslis können eine ausgewogene Ernährung hier prima ergänzen. Gegebenenfalls kann auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Fischöl, Vitamin E und Selen nützlich sein, z. B. in Phasen mit hoher Entzündungsaktivität. Das sollte zuvor aber mit dem behandelnden Neurologen abgestimmt werden.

Vitamin D – Zusammenhang bleibt weiterhin unklar

Ähnliches gilt für die Einnahme von Vitamin D. Gerade die Einnahme großer Mengen Vitamin D ohne ärztliche Begleitung kann schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen! Obwohl bereits länger ein Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose und der Versorgung mit Vitamin D vermutet wird, konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass ein Mangel an Vitamin D die Entstehung von MS begünstig oder die Einnahme von Vitamin D den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Da Vitamin D vor allem durch Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet wird, kann die Ernährung mit Vitamin-D-reichen Lebensmitteln nur einen kleinen Beitrag leisten. Wenn ein Vitamin-D-Mangel besteht, sollte mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden, welche Maßnahmen zur Behandlung geeignet sind.